[Interview] mit Simone Veenstra

Heute möchte ich euch mein erstes Interview mit einer großartigen Autorin vorstellen!
Simone Veenstra hat sich bereit erklärt, sich von mir interviewen zu lassen und ich habe mich riesig darüber gefreut!

Über die Autorin:

Simone Veenstra ist in Hanau geboren, in Forchheim in Oberfranken aufgewachsen und lebt zurzeit in Berlin. Sie ist deutsche Schriftstellerin, Journalistin und Verlegerin. Studiert hat sie Neuere Deutsche Literatur, Theater- und Filmwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Erlangen und schloss ihr Studium an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin als Magistra Artium ab. Danach arbeitete sie am Theater, als Online-Redakteurin und Comic-Verkäuferin. Im Jahr 2003 begann sie freiberuflich als Journalistin und Redakteurin für die Ressorts Kultur, digitales Leben und Reise zu arbeiten. Die schriftstellerische Tätigkeit nahm sie zeitgleich auf. 2010 gründete sie gemeinsam mit Dorothea Martin den Independent-Verlag Das wilde Dutzend in Berlin.

Interview:
 

Erstmal möchte ich dir natürlich für das Rezensionsexemplar deines Buches "Du stirbst in meinem Herzen nicht" danken, das ich durch deine Leserunde auf Lovelybooks bekommen konnte und durch die ich dich auch besser kennenlernen durfte! Dein Buch zu lesen hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und dass ich nun auch ein Interview mit dir führen kann, freut mich riesig!

Na, das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Für mich war die Leserunde super spannend – und auch neu (war ja meine erste. Meine Bücher davor boten sich dazu nicht wirklich an). Was ich toll fand, war, „fast live“ dabei zu sein. Beim Lesen und über die Geschichte spekulieren, dabei, wie die Figuren aufgenommen wurden oder spezielle Ausdrücke. Das hat man ja sonst nie, auch nicht bei Lesungen vor Publikum. Eigentlich habt ihr es mir also ermöglicht, noch ein bisschen länger bei Mara und Jonah und in „Du stirbst in meinem Herzen nicht“ bleiben zu dürfen. Tausend Dank!


Nun sind ja schon einige positive Meinungen von uns Lesern rübergekommen. Wie ist es für dich so positives Feedback zu bekommen? Hattest du angst, dass die Geschichte nicht gut ankommt?


Ich habe wirklich lange an dem Roman gesessen. Um die Geschichte, die Figuren aber auch Kleinigkeiten genauso hinzubekommen, wie ich sie haben wollte. Beispielsweise wann Mara ihren Vater als Piet bezeichnet und wann als Paps: Je nachdem, ob sie sich zusammenreißt und stark sein will oder ob sie spontan auf ihn angesprochen wird und von Trauer und Erinnerungen überrannt. Wenn man so sehr in seiner Geschichte und seinen Figuren steckt, dann – ja – fürchtet man sich schon davor, was passiert, wenn sie nicht gemocht werden. Das ist so ein bisschen wie Theaterspielen: Man holt tief Luft, tritt raus auf die Bühne, gibt alles … und hofft, dass keiner „Buh, wat solln ditte jetzt?“ schreit sondern, dass man alle so mitreißt und berührt, dass sie am Ende erst wieder auftauchen müssen. (Und dann natürlich im besten Falle am Ende wie wild klatschen).


Nachdem das Buch bei mir angekommen war, habe ich auch noch einen Brief erhalten in dem viele Hintergrundinformationen und vor allem nur ausgedachte Ideen zu einzelnen Elementen aus dem Buch standen. Warum war es dir so wichtig den Lesern noch mehr als nur das Buch selbst zu bieten? Man merkt ja schon, dass du mit unheimlich viel Herzblut dabei bist :)


Vermutlich wollte ich einfach nicht aus Maras Welt raus :o)

Das ist es ja, was man macht, wenn man eine Geschichte entwickelt: man kreiert eine Welt und dann taucht man darin ab. In Jonah hab ich mich direkt ein bisschen verliebt. Ich hab mich gefragt, was wohl der alte Tierarzt macht, wenn er abends alleine in seinem Häuschen sitzt. Was der Reporter Eduard Baumann für einer war.

Und dann kommt da noch was dazu: Wie du ja netterweise schon in dem Text über mich angemerkt hast, habe ich auch einen kleinen Verlag. Unser Schwerpunkt ist es, Geschichten zu kreieren, die über die jeweiligen Bücher hinausgehen: Da erzählt eine Nebenfigur in einem Kurzfilm etwas, das nicht im Buch steht. Oder wir führen ein Schattentheater auf, das sich um die mysteriöse Lebensgeschichte des verschollenen Autors dreht. Das ist extrem spannend und macht sehr viel Spaß. Und – das Schöne daran ist – es gibt kein Ende. Das hat mich auch dazu inspiriert auch bei Mara noch ein bisschen was „draufzusetzen“.


Die Geschichte drehte sich ja hauptsächlich um die vielen Unfälle, die deine Protagonistin Mara nicht als solche akzeptieren will. Wie bist du darauf gekommen einen Thriller zu schreiben, der durch so viele Winkel Verknüpfungen aufweist? Wenn man sowas das erste Mal schreibt stelle ich mir das gar nicht so leicht vor und wie oben erwähnt hast du ja viel Herz mit reingebracht und musstest sicher vor dem Schreiben vieles ausarbeiten. Hast du dich auch an wirklichen Geschehnissen orientiert oder ist wirklich alles frei erfunden? 


Die Story des Krimis ist völlig frei erfunden. Aber du hast Recht, bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, brauchte ich erst Mal ein paar Wochen, um alles logisch zu durchdenken. Immerhin liegt ein Großteil der Geschichte in der Vergangenheit, wird aber durch Indizien und Situationen und Recherchen im Lese-Jetzt aufgerollt. Ich habe viele Karteikarten bekritzelt und Zeitlinien erstellt. So stelle ich mir immer Architekturbüros vor: Ein Haufen Pläne, ein Haufen Informationen über Statik und Bausubstanz und eine wilde Idee, wie es aussehen soll. Und am Ende muss alles Hand in Hand gehen. Dazu habe ich mir dann auch Hilfe geholt: Biobauern, Busfahrer, Wirtinnen, Schnapsbrenner, Pharmazeuten und viele mehr interviewt und über die dazugehörigen Gebiete viel gelesen.


Was mir auch aufgefallen ist sind die vielen Pflanzenarten, mit denen sich die Protagonisten Jonah und Mara mehr und mehr beschäftigen. Hast du selbst Erfahrungen mit Pflanzen, oder wie bist du gerade darauf gekommen?


Um ehrlich zu sein, meine Erfahrung mit Pflanzen ist: Ich finde sie toll, dann kaufe ich sie, versuche sie am Leben zu halten und scheitere. Ich habe keinen grünen Daumen (was ist wohl das Gegenteil davon?) Aber ich bin furchtbar neugierig. Und vielleicht ist auch Paule Schuld daran – mein Hund. Als wir ihn aus dem Tierheim holten, hat der einfach alles gefressen, was nicht niet- und nagelfest war. Also musste ich mich schlau machen darüber, nach welchem Genuss von Grünzeug ich ihn besser zum Arzt schleppen sollte. Und dann habe ich einfach weitergelesen und mich unterhalten mit Hobbygärtnern und Pharmazeuten und Bauern (nicht dass das für meine Balkonbepflanzung viel genutzt hätte).

Mir sind vor allem Cover und Titel im Kopf geblieben. Hast du das Cover selbst gestaltet oder wie ist es entstanden? Und war es Absicht den Schwerpunkt immer auf die Morde zu setzen und es nicht zu einer Liebesgeschichte kommen zu lassen?


Zum Cover: Das hat der Verlag bei einem Designer (oder einer Agentur) ihrer Wahl angefragt. Als ich es das erste mal gesehen habe, war ich war super begeistert. Weil die Farbgebung extrem passt und das Mädchen auf dem Cover Blumen in der Hand hält und über eine Wiese läuft – also eigentlich für mich sofort Mara war, die mit einer Handvoll roter Waldvögelein - eine wilde Orchideenart, die sie mit ihrem Vater verbindet - auf dem Weg zu seinem Grab ist. Ich weiß aber auch, dass ich dabei echt viel Glück gehabt habe, nicht immer funktioniert das Coverbild mit der Geschichte dermaßen gut. Weshalb ich auch gerne noch den oder die Designerin für meine Making-Of-Abteilung der Webseite interviewen will.

Was die Morde und die Liebesgeschichte angeht: Ich glaube, beides braucht es. Weil es sich ergänzt: Abschied und ein Neuanfang. Trauer und Glück, Loslassen und nach vorne gucken. Und vielleicht kann man auch sagen, „Du stirbst in meinem Herzen nicht“ ist eine Liebesgeschichte, die ohne den Krimiteil nie stattgefunden hätte. Und eine Krimihandlung, die ohne die Liebesgeschichte zwischen Mara und Jonah nicht zu diesem Ende gekommen wäre. Beiden Geschichten hätte ohne die andere etwas gefehlt.

 
Wusstest du eigentlich von Anfang an, wie die Geschichte ausgehen würde, oder bist du eher jemand, der alles auf sich zukommen lässt und keinen genauen Plan macht? :)


Lustig, dass du das fragst! Denn um ehrlich zu sein, war in meinem ersten Entwurf jemand anders der Mörder. Wer das war verrate ich jetzt nicht :o)

Aber bei Krimis oder vielleicht besser bei allen Geschichten, in denen es um ein Geheimnis geht, das aufgelöst wird, ist es fast unmöglich, Dinge beim Schreiben auf sich zukommen zu lassen. Weil du dann keine Chance hast, geschickt Indizien zu streuen und die Entwicklungen und Erkenntnisse zu beeinflussen. Aber trotzdem schießt dir manchmal auch etwas dazwischen und du musst nachjustieren und ändern. Meistens macht es das dann besser. Als ich anfing habe ich etliche Seiten erst einmal „einfach so“ geschrieben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Mara tickt, Jonah, die anderen Figuren. Einiges davon ist im Roman, anderes nicht.


Wie lange hat es eigentlich gedauert das Buch zu schreiben? Gab es auch mal die bekannten 'Schreibblockaden'?


Alles zusammengenommen würde ich sagen habe ich ungefähr ein halbes Jahr gebraucht. Es ging nicht am Stück, weil ich immer wieder Phasen dazwischen hatte, in denen ich etwas anderes gemacht habe (ein Hörspiel, ein Game, einen Anthologiebeitrag …). Meistens tut es mir (oder den Geschichten, mit denen ich mich beschäftige) sogar gut, ab und an eine Pause einzulegen und mit einem bisschen Abstand wieder und neu zu sehen, ob alles noch stimmt.

Echte Schreibblockaden sind mir bisher zum Glück (drei Mal auf Holz geklopft) erspart geblieben. Aber mir passiert es schon hin und wieder, dass ich mit einem Projekt fertig oder schon sehr weit bin und mir eingestehen muss, dass ich mich um etwas sehr Wichtiges herumgemogelt habe. Dann muss man eben die Zähne zusammenbeißen und noch mal von vorne beginnen. Bei „Du stirbst in meinem Herzen nicht“, hatte ich allerdings gleich zwei kreative Schutzengel, die mich davor bewahrt haben: Meine Agentin Katrin Kroll und meine Lektorin Iris Schubert. 


Ich habe gesehen, dass du vorher eher Kinderbücher geschrieben hast. Wie war es für dich, jetzt mal in einem anderen Genre zu schreiben und wie bist du dazu gekommen? Und vor allem: Wie ist die Idee des Buches nach und nach entstanden? Gab es viel Inspiration von außen oder war die Idee einfach da?


Ich hatte immer das Glück ziemlich regelmäßig hin- und herswitchen zu können. Sowohl was das Alter derjenigen angeht, für die ich schreibe als auch das Genre (wobei ich oft beim Krimi lande – aber das ist auch wirklich ein Steckenpferd von mir). Du hast Recht, hauptsächlich sind meine Bücher, die auch unter meinem Klarnamen veröffentlicht wurden für Kinder. Dazwischen habe ich aber immer auch Bücher unter Pseudonymen, Drehbücher für Erwachsene, Hörspiele, journalistische Artikel geschrieben oder Kreativ-Workshops für Jugendliche gehalten. Oder ein Storytelling-Festival organisiert, das tagsüber für Kinder und Familien war, abends für Erwachsene. Oder Agenturen dramaturgisch beraten. „Glück“ nenne ich das deswegen, weil ich oft das Gefühl habe, dass das eine das andere anreichert.

Von daher war „Du stirbst in meinem Herzen nicht“ auf der einen Seite kein unglaublich großer Schritt, auf der anderen Seite aber natürlich auch etwas sehr Besonderes, weil damit eben mein erstes Buch für Jugendliche erschien. Die Idee dazu ist tatsächlich nach und nach entstanden. Denn zu allererst gab es Mara, der Verlust ihres Vaters und ihre Beziehung zu Sanna und Jonah. Dann erst kamen die anderen Figuren und der Kriminalplot dazu.


Hast du von deinen bisher veröffentlichten Büchern einen Favoriten? Und gibt es schon eine neue Buchidee, von der du uns gern etwas sagen würdest? :) Oder in welchem Genre es sein wird?


Meine Bücher sind ja extrem verschieden. Ich habe kleine Mitratekrimis (die Lesefix-Reihe vom Gondrom-Verlag) geschrieben, die 8-Jährige zum Lesen anhalten sollen, eine Agententrilogie mit Comiceinschüben („BANG“ im Kosmos-Verlag), Bücher rund um Hui Buh, ein Mysterygame (für die Firma Wooga: „Agent Alice“) entwickelt … da ist es ganz schwer zu sagen, was ich am liebsten mag. Aber vielleicht kann ich sagen, dass Mara – neben der Hauptfigur des aktuellen Games, Alice - mir bisher am nächsten ist.

Momentan schreibe ich an einem Kinodrehbuch für die ganze Familie. Das ist eine Geschichte, mit der ich mich schon länger beschäftige. 2009 habe ich ein Werkstipendium der Akademie für Kindermedien damit erhalten, jetzt habe ich eine Produzentin und sitze am Drehbuch … und finde es immer noch ganz toll :o)

Und dann sitze ich aktuell noch an was ganz anderem. An einer Art Roadmovie in Buchform, dessen Hauptfigur an meine Großmutter angelehnt ist.


Du siehst: Lauter verschiedene Sachen.


Oft hört man ja, dass es schwierig ist von einem Verlag angenommen zu werden und das eigene Buch dann auch veröffentlichen zu können. Wie war das bei dir?


Umgekehrt :o)

Ich hatte das Glück, dass ich mit meiner Mitautorin Ulrike Rogler angefragt wurde, ein Reihenkonzept zu entwickeln, das wurde dann auch gemacht und wir haben für mehr als 20 Bände davon geschrieben.

Aber das mag auch daran liegen, dass ich keinen sehr geradlinigen Autorenwerdegang habe. Mit dem Schreiben angefangen habe ich zwar recht früh: wirklich furchtbare Gedichte, eine nicht ganz so furchtbare Sammlung von modernen Märchen, ein – das finde ich noch immer – ganz und gar nicht furchtbares Theaterstück, das meine Schultheatergruppe damals aufführte. Aber dann habe ich studiert und dachte, ich müsste Schauspielerin werden oder Regisseurin (für keines war ich besonders begabt). Also habe ich rechts und links die Nase reingehalten: Nachrichten fürs Fernsehen, Comicbuchverkäuferin (ich bin ein echter Comic-Nerd), Redakteurin im Verlag und ganz andere Dinge wie Pflegehelferin im Krankenhaus, Uhrenverkäuferin im KdW … Daneben habe ich geschrieben und hier und da eine Nominierung oder einen kleinen Preis bekommen. Als das Magazin bei dem ich Redakteurin war dann leider aufgegeben wurde, haben mich einige meiner ehemaligen Kollegen immer dann angefragt, wenn ihnen etwas fehlte – eine Geschichte, ein Comic, Populärwissenschaftliches … und von da ging es dann immer weiter. Und ich war auch echt stur. So verdanke ich beispielsweise „Verliebt in Berlin“ quasi meine praktische Zusatzausbildung im Storylinen, Drehbuchschreiben und Editieren. Denn eigentlich habe ich für die Produktionsfirma zunächst etwas ganz anderes gemacht. Aber dann habe ich dem Chefautor erklärt, ich hätte jetzt sämtliche bereits bestehenden Drehbücher gelesen, wäre also super in der Materie und ob er es nicht mal mit mir als Autorin probieren wollte. Wollte er, hat mir sämtliche Fehler um die Ohren gehauen, die ich gemacht habe, mir echt viel beigebracht und mich behalten.


Viele Autoren lesen nebenbei ja noch unheimlich viel! Liest du selbst in deiner Freizeit eher viel, wenig, oder sogar gar nicht? Hast du einen Lieblingsautor und vielleicht auch ein Lieblingsbuch? Und welches Genre bevorzugst du?


Ha! Ich schicke dir noch ein Bild von meinem Buchregal, auf das ich deshalb so stolz bin, weil ich lange dafür gespart habe und es nun um die Ecke und über der Tür lang geht!! Ich lese extrem gerne, sammle Comics und auch Bücher, die ich toll finde, in unterschiedlichen Ausgaben und jenen Sprachen, die ich beherrsche – habe aber auch ein Lesegerät und verschlinge E-Books, vor allem welche, die eben nicht als Print auf den Markt kommen. Das einzige Genre, mit dem ich bisher noch nicht so ganz warm werden konnte ist SciFi, aber vielleicht hat ja da noch jemand für mich einen guten Einsteigertipp?

Lieblingsautor/en kann ich nur im Plural beantworten: Guus Kuijer, Christiane Neudecker, Neil Gaiman, Martha Grimes, David Sedaris, Tamara Bach, Manu Larcenet, Alice Monroe … (und jetzt habe ich 100 Pro etliche vergessen)

Lieblingsbuch: Mein Favorit ist definitiv „Die Brautprinzessin“ von William Goldman, weil das dermaßen mit Erwartungen spielt, sie bricht,völlig über Gewohnheiten herausgeht – und trotzdem einen echten Sog für die Geschichte entwickelt.


Gibt es Autoren, die dich zum Schreiben inspiriert haben, oder war es vielleicht etwas ganz anderes..?


Ich glaube, sämtliche Autoren, die ich bewundere und gerne lese inspirieren mich immer noch. Aber ich hatte schon als Kind eine Fantasievorstellung, die mit Astrid Lindgren zusammenhing: Die Idee, dass da jemand in einer Villa Kunterbunt sitzt und Tage damit verbringt, Bücher zu schreiben, das war (und ist) noch immer echt ein Traum. Auch wenn ich jetzt natürlich weiß, dass es nicht ganz so romantisch abgelaufen ist, wie ursprünglich gedacht.


Was machst du in deiner Freizeit am Liebsten? Ich weiß ja, dass du einen Hund hast und der neben dem Schreiben wahrscheinlich auch einen Großteil deiner Freizeit einnehmen wird. Und dann sind da ja auch noch Freunde und Familie. Hast du dir da vielleicht auch mal längere Schreibpausen gegönnt oder passt das alles gut zusammen?


Der Herr Paule (siehe Bild) ist sicherlich derjenige, der mich einigermaßen fit hält – ich sag nur „3 Stunden rennen und Frisbie-Spielen pro Tag“! Und manchmal gehen wir hinterher noch Kaffeetrinken mit Freunden und erst danach fange ich an zu arbeiten. Ansonsten verbringe ich kurze freie Zeiten gerne mit Lesen, Serien gucken und längere gerne mit Reisen. Oder vielleicht besser mit dem „für längere Zeit woanders sein und den Kopf frei machen“. Da ist es natürlich ein Glück, dass ich eigentlich nur meinen Computer brauche und funktionierendes Internet und ich kann stecken wo ich will. Dieses Jahr war ich beispielsweise ein paar Wochen dazu an der Ostsee in einer alten Kate. Wenn alles gut geht, verziehen wir uns im Herbst für länger nach Skandinavien. Und für nächsten Herbst habe ich das Aufenthaltsstipendium des Zagreber Goethe-Instituts und des Literaturhauses „Hiža od besid“ für Pazin in Kroatien erhalten. Da freue ich mich jetzt schon drauf!


Ich habe gelesen, dass du 2010 in Berlin den Independent-Verlag Das wilde Dutzend gegründet hast. Wie bist du auf die Idee gekommen einen eigenen Verlag zu gründen?


Zu Anfang stand da eine kleine Wahnwitzidee, wie sie sicher viele kennen: Nämlich Bücher zu publizieren, die keine Kompromisse machen und die sich trauen auch mal voll über die Stränge zu schlagen. Zu der Zeit bin ich mit Dorothea Martin einmal um die Welt gereist, wir haben uns in Neuseeland beim Wandern verirrt und uns Geschichten ausgedacht. Und nach jeder davon sagte eine von uns „Total lustig, aber niemand veröffentlicht so was!“ Nach der dritten davon begannen wir zu sagen „Na, dann machen wir es eben selbst!“ Und als wir endlich wieder den Weg gefunden haben, stand auch schon  fest, dass wir uns eigentlich gar nicht selbst veröffentlichen wollen, sondern Geschichten von anderen, die zu einem Konzept passen, das wir nach und nach verfeinerten und die über das Medium Buch hinausgehen.


Zu guter Letzt habe ich nur noch die Frage: Gibt es etwas, was du unbedingt noch machen möchtest? Etwas das du dir vielleicht schon ewig wünschst? Ganz egal ob es dabei um ein Buch geht, das du noch rausbringen möchtest oder um eine Reise in ein anderes Land...!


Ich habe noch ganz viele Geschichten im Kopf, die ich gerne veröffentlichen möchte – nicht zwangsläufig als Buch. Ich hätte supergerne mal die Ruhe, um ununterbrochen für ein halbes Jahr nur an einem Projekt zu sitzen, das nur ich unbedingt machen will. Ich will mit meiner Oma nächstes Jahr nach Juist. Und – seit der Neuseelandreise will ich da wieder hin. Für länger.
Jetzt sage ich: Vielen lieben Dank dir für deine Zeit, dein tolles Buch und die vielen Antworten :) Ich freue mich, dass du mitgemacht hast und bin gespannt auf dein nächstes Werk!


Das Interview ist tatsächlich etwas länger geworden, ich bin aber froh, dass die liebe Simone mitgemacht hat!


Um zu meiner Rezension zu"Du stirbst in meinem Herzen nicht"zu kommen, klickt hier! *klick* 

Jetzt seid ihr dran! Habt ihr noch eine Frage oder könnt der Autorin ein SciFi-Buch empfehlen? Habt ihr ihr Buch vielleicht sogar schon gelesen? Schreibt es in die Kommentare und vielleicht antwortet sie ja sogar nochmal :)

Kommentare:

  1. Liebe Nadine,
    das Interview ist total interessant und die Autorin kommt sehr sympathisch rüber! Mir hat ihr Buch ja wirklich gut gefallen...

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    1. Oh ja da stimme ich dir zu, das Buch fand ich auch ganz toll :) und sympathisch ist sie definitiv!

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