[Rezension] Die vergitterte Welt (Jana Frey)



Titel: Die vergitterte Welt
Autor: Jana Frey
Seiten: 168
Format: Taschenbuch
Verlag: Loewe
Erscheinungsdatum: 01.01.2009
Preis: 5,95€ (D) Hier kaufen






Überall waren immer Probleme und irgendwann waren es so viele, dass Juli sich nicht mehr zu helfen wusste - und zuschlug. Seitdem dreht sich die Gewaltspirale immer schneller und schneller. Juli schafft es nicht, sich daraus zu befreien und landet schließlich hinter Gittern. Dort ist es so erdrückend und einsam, dass Juli sich immer wieder fragt, ob es Menschen gibt, die trotz allem auf ihn warten?




Ich habe dieses Buch für den Pädagogikunterricht gelesen und hatte es ruckzuck innerhalb von ein paar Stunden durch. Zu kaufen gibt es das Buch mittlerweile nur noch gebraucht und letztendlich sollte ich mich beim Lesen auf die Gründe für kriminelles Verhalten konzentrieren. Es hat mich aber auch so interessiert, was mit Juli passiert.

Juli ist ein Protagonist der anderen Art, was allein durch die Verhältnisse in denen er lebt auffällt. Erst mit der Zeit wird klar, dass er eigentlich Patrick heißt und ein Freund seiner Mutter ihn Juli getauft hat. Er lernt immer wieder neue Menschen kennen und die meisten begegnen ihm und seiner Familie mit Gewalt, Alkohol, Armut und Kriminalität. Natürlich hat das nicht den besten Einfluss auf ihn.

Die Gründe für sein eigenes Verhalten finde ich absolut nachvollziehbar, immerhin kennt er es einfach nicht anders. Es ist irgendwie traurig zu sehen, dass es so etwas ja wirklich gibt und Pech für die Mutter des Jungen, dass sie dauerhaft an Männer geraten ist, die sie geschlagen haben und ihnen trotzdem immer ein weiteres Kind geschenkt haben. 

Besonders anstrengend fand ich die Nebencharaktere. Gerade Julis Mutter habe ich erstmal gar nicht verstanden, weil sie dauerhaft betrunken war, sich selbst bemitleidet hat und trotzdem nichts dagegen tun wollte. Dass sie ihren Kindern gegenüber so gleichgültig war hat einen auch richtig traurig gemacht. So ging es mir auch mit den Männern, die sie mitbrachte. Es gab aber auch Lichtblicke, wie Mia und Mohammed, die Juli eine gewisse Sicherheit geben konnten und ihn nicht ganz haben abstürzen lassen.

Es fällt einem anfangs nicht leicht sich in die Situation einzufinden, weil man es selbst ja nicht so kennt. Dadurch, dass Juli einem all das berichtet ist es natürlich leichter sich in ihn hineinzuversetzen und trotzdem nimmt man die Dinge nicht so locker wie er es als kleiner Junge mit 11 Jahren tut. Innerhalb des Buches wird er bis zu 16 Jahre alt und man begleitet ihn somit mehrere Jahre. 

Letztendlich stürzt er sich selbst in die Kriminalität und einiges hat mich wirklich richtig geschockt. Obwohl er es so vorgelebt bekommen hat hätte er Hilfe kriegen können, die ihm aber einfach keiner gegeben hat. Das Ende fand ich dann ganz schön, weil er da das erste Mal das Gefühl bekommen hat, gemocht zu werden. Trotzdem war der Großteil des Buches anstrengend zu verfolgen.




Es war wirklich hart den Weg in die Kriminalität zu verfolgen und mitzubekommen wodurch nach und nach das komplette Leben eines Jungen bestimmt wird. Man erkennt als Leser schnell die Beweggründe von Juli und stellt fest, dass er nicht so viel dafür kann, wie man denken sollte. Trotzdem gibt es immer andere Wege und das lässt sich vor allem am Ende erkennen. Was genau ich von dem Buch halten soll weiß ich nicht. Einerseits finde ich es gut die ärmlicheren Verhältnisse und den Umgang einiger Eltern mit ihren Kindern zu sehen und wirklich anzuerkennen, dass es der Realität entspricht und man helfen sollte. Andererseits konnte mich das Buch kaum fesseln und wäre es keine Schullektüre gewesen, hätte ich es vielleicht nicht beendet. Alles in allem war es aufschlussreich und ich werde definitiv mehr in die Richtung lesen. Ich vergebe 3,5 Leseschmetterlinge.


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