[Rezension] Herz Slam (Jaromir Konecny)




Titel: Herz Slam
Autor: Jaromir Konecny
Seiten: 384
Format: Hardcover
Verlag: Ravensburger
Erscheinungsdatum: 23.09.2015
Preis: 12,99€ (D) Hier kaufen

Ab 12 Jahren




Hauptschüler sind dumm, prollig und schlecht angezogen - behauptet Leas beste Freundin Sophie. Lea findet Sophie manchmal ziemlich arrogant, dennoch hat auch sie so ihre Vorurteile. Als die beiden sich für einen Poetry-Slam-Workshop anmelden, wissen sie nicht, dass auch Jugendliche einer anderen Schule daran teilnehmen werden: einer Hauptschule. Eine Vollkatastrophe! Es hagelt Wortgefechte und Beleidigungen, doch nach und nach beginnen die Fronten zu bröckeln und Herzen heftig zu schlage.



Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, da ich selbst ebenfalls gern Poetry Slam - Texte schreibe und das Thema an sich einfach total interessant finde! Der Einstieg in das Buch ist mir leider nicht so leicht gefallen, da es anfangs eher wie leichte Lektüre wirkte, die nicht wirklich die Message rüberbringen kann, die sie soll. Das hat sich dann aber geändert :)

Als Hauptprotagonistin haben wir Lea, die gerade zu Beginn des Buches sehr unsicher ist und immer im Schatten ihrer Freundin Sofie zu stehen scheint. Sie sind vollgepumpt mit Vorurteilen gegenüber Hauptschülern und so kommt es zu eigenartigen Gedanken und Handlungen, die man als Leser oft mit unterschiedlichsten Stimmungen verfolgt. Ich hatte oft Schwierigkeiten mich in die beiden hineinzuversetzen, allerdings ist mir immer wieder aufgefallen, wie viele Vorurteile in der eigenen Gedankenwelt stecken.

Sofie fand ich noch eine Ecke schlimmer als Lea, denn von ihr kam der Einfluss, durch den sich Lea nicht einmal getraut hat auch nur daran zu denken etwas mit einem Hauptschüler zu unternehmen, geschweigedenn anzufangen. Das war irgendwie total traurig und hat mich immer wieder wütend gemacht, denn viele Handlungen von Lea gingen darauf zurück. Umso spannender war die Entwicklung der beiden, denn gegen Ende des Buches sieht das Ganze komplett anders aus. 

Besonders interessant macht dieses Buch natürlich der Workshop, durch den sich die verschiedensten Jugendlichen näher kennen- und sogar lieben lernen und durch den ermöglicht wird die Personen als Personen zu betrachten und eben nicht nur als Haupt- und Realschüler oder Gymnasiasten. Die Gedichte und Texte, die hier vorgestellt werden sind einfach total entspannend und haben immer zur Story beigetragen und das hat das Ganze auch so interessant gemacht.

Neben den Texten und Vorurteilen wird aber noch ein weiteres Thema angesprochen: die Liebe. Man lernt hier wirklich unterschiedlichste Charaktere kennen und das ist nicht nur auf die Schule bezogen. Ob es nun der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit durch Sprache oder Klamotten ist oder auch die Art sich zu geben. Wo Lea sehr ruhig und schüchtern, ja, geradezu unsicher ist, sind andere Charaktere besonders selbstbewusst und ausdrucksstark. Wieder andere senden durch ihre Art einen Hilferuf aus. Der Autor hat wirklich darauf geachtet das in Szene zu setzen.

Ich habe die Charaktere größtenteils wirklich lieb gewonnen, gerade Linus mochte ich sehr, weil er derjenige war, der immer an das Gute geglaubt hat und sich nicht hat kleinkriegen lassen. Er wirkte als hätte er als Einziger keine Vorurteile. Besonders lustig und wichtig waren auch Bruce oder Jenny, sowie Diva und Julia. Neben Linus war mir Julia tatsächlich auch mit am sympathischsten, wobei mir Sofie zum Beispiel größtenteils eingebildet und zu selbstsicher vorkam. Und doch haben sich alle entwickelt.




Wo das Buch mich anfangs nicht ganz überzeugen konnte und es für mich eher schleppend und mit mehr Unterhaltungswert als Message voranging, wurde es mit der Zeit immer ausdrucksstärker und lebendiger. Sobald der Workshop anfing ging es bergauf und man lernt alle Charaktere für sich kennen. Mit Lea als Protagonistin war es nicht immer ganz leicht, denn auch sie trägt viele Vorurteile mit sich herum, die sie nie ganz ablegt. Erst durch die Liebe zu einer anderen Person kann sie sich dazu aufraffen ihre negative Einstellung abzulegen und gegen Ende sogar ganz zu besiegen. Diese Entwicklung ist definitiv ein großer Pluspunkt, trotzdem hat es mich oft gestört immer diese Gedanken im Weg haben zu müssen. Die Liebesgeschichte war eine schöne Nebensache, die großen Unterhaltungswert hatte und ebenfalls mit Poesie bestückt war. Das hat mir sehr gut gefallen, denn die Texte haben auch gezeigt, dass man sich als Person näher kommen kann und so den wahren Kern eines Menschen entdeckt, wenn man nur richtig hinschaut. Es gab lustige, traurige und emotional schöne Stellen und so war eigentlich alles dabei! Von mir gibt es diesmal 4 Leseschmetterlinge :)

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